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Bärbel Bohley

Bärbel Bohley

Geboren am 24.05.1945
Gestorben am 11.09.2010
Erstellt von Irena Kukutz am 07.09.2014

  • Bärbel Bohley
  • 24.05.1945
  • Berlin
  • 11.09.2010
  • Dorotheenstädtischer Friedhof

Das Leben von Bärbel Bohley war im Gegensatz zu ihrer eher schlichten letzten Ruhestätte auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in der Berliner Chausseestraße alles andere als eintönig, es war vielfarbig und turbulent, hatte Höhen und Tiefen, wie nur wenige von uns sie kennenlernen.

 

Diese kämpferische Frau ging mit Mut und Überzeugungskraft ihren ganz eigenen Weg (und manchen Umweg) und wurde so im Herbst 1989 zur prominenten Initiatorin einer demokratischen Sammlungsbewegung in der DDR, gründete zusammen mit anderen die Bürgerbewegung Neues Forum. Wichtig war ihr, andere Menschen durch ihr Beispiel mitzureißen und zu ermutigen, um die Angst, Ohnmacht und Sprachlosigkeit zu überwinden, was ihr gelang. So wurde sie 1989 das Gesicht und Stimme der Friedlichen Revolution in der untergehenden DDR. Die Woge der Begeisterung trug nur wenige Monate.

 

Schon in den 1980er Jahren war Bärbel Bohley eine bekannte Persönlichkeit, von ihren Gegnern als eine Protagonistin der DDR-Opposition identifiziert, hielt sie trotz aller Hindernisse und Bedrohungen enge Kontakte über die Mauer hinweg, u. a. zu der Politikerin Petra Kelly. Als Mitgründerin der Oppositionsgruppen Initiative für Frieden und Menschenrechte 1986 und der Ost-Berliner Frauen für den Frieden 1982 hatte Bärbel Bohley manchen Protest angezettelt, was Folgen hatte.

 

Zweimal wurde sie verhaftet, zum ersten Mal im Dezember 1983, wo sie aufgrund von Protesten im In- und Ausland nach sechs Wochen Untersuchungshaft wieder freigelassen wurde. Als sie 1988 direkt aus dem Stasi-Gefängnis für 6 Monate zwangsweise in den Westen abgeschoben wurde, gelang ihr das Unmögliche: Man ließ sie tatsächlich wieder einreisen in die DDR. Sie begann sofort mit den Vorbereitungen zur Gründung einer von Staat und Kirche unabhängigen Vereinigung.

 

Zuvor in den 1970er Jahren hatte sie sich bereits einen Namen als Malerin und Graphikerin in der Kunstszene der DDR gemacht, Preise erhalten, war als Künstlerin anerkannt. Ihr Hochschul-Diplom hatte sie 1974 an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee erworben. Während ihres Studiums heiratete sie 1970 den Theologen und Kunstmaler Dietrich Bohley, war ihr Sohn Anselm geboren, die Ehe wurde später geschieden. Wegweisend für Bärbel Bohley wurde die enge freundschaftliche Verbindung zu Robert und Katja Havemann.

 

Obwohl sie mit Orden und Preisen geehrt wurde, konnte Bärbel Bohley ihren Platz im vereinten Deutschland nicht finden. 1990 nach wenigen Monaten als gewählte Abgeordnete in der letzten Ost-Berliner Stadtverordnetenversammlung, war sie noch weitere fünf Jahre Mitarbeiterin in der Parlamentarischen Gruppe Neues Forum im Berliner Abgeordnetenhaus, um dann enttäuscht ihre Koffer zu packen und im kriegsverwüsteten ehemaligen Jugoslawien Aufbauarbeit zu organisieren. Sie koordinierte Hilfsprojekte für Flüchtlinge, die Wiederaufbauarbeiten für im Bosnien-Krieg zerstörte Häuser.

 

In zweiter Ehe mit einem bosnischen Lehrer und Kriegsveteranen verheiratet, hatte sie sich 1999 an der kroatischen Adriaküste niedergelassen. Auch hier blieb sie ruhelos. Mit ihrem Verein Seestern organisierte Bärbel Bohley bis zu ihrer Krebserkrankung kostenlose Ferien für Kriegswaisen und den Bau von Zisternen für wieder in ihre Heimat zurückgekehrte Flüchtlingsfamilien in Bosnien.

 

Als sie 2008 nach Berlin in ihre Wohnung im Prenzlauer Berg zurückkehrte, um ihre schwere Erkrankung behandeln zu lassen, war sie erschöpft und von privaten Sorgen belastet. In den zwei Jahren bis zu ihrem Tod, nahm sie dennoch weiter öffentliche Einladungen zu Vorträgen und Diskussionen an, wollte ihre Erfahrungen vor allem an die junge Generation weitergeben.

Bärbel Bohley starb in den frühen Morgenstunden am 11. September 2010 mit 65 Jahren im Haus ihres Sohnes in der Uckermark.

 

Nachdenken über Bärbel Bohley

Sie hat uns geholfen, die Angst abzustreifen.
Sie hat mit uns den Hunger nach Gerechtigkeit geteilt.
Sie hat uns angestiftet, zu handeln ohne Rückversicherung.
Sie hatte uns alle im Sinn, nie den eigenen Vorteil.
Sie wurde scharf, wenn es um Krieg und Frieden ging.
Sie machte den Mächtigen die Macht streitig,
Sie verachtete den Tanz um die Fleischtöpfe.
Sie wird lebendig bleiben, solange wir nicht resignieren.

Sebastian Pflugbeil

[http://www.havemann-gesellschaft.de/index.php?id=600] 

Kerzen

Von Monica S.

Für Bärbel Bohley

Am 04.05.2016

In Erinnerung an eine starke Persönlichkeit.

Kerzen

Von Karin

Für Bärbel Bohley

Am 02.04.2016

In Gedenken an eine starke, stets kämpfende Frau!

Kerzen

Von Paul Stoll

Für Bärbel Bohley

Am 10.02.2016

Eine beeindruckende, starke Persönlichkeit hat für Ihre Ziele und unsere Freiheit gekämpft! Ein großes Dankeschön, meinen größten Respekt. Paul