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Kurt Emil Hamberger

Kurt Emil Hamberger

Geboren am 19.07.1936
Gestorben am 05.04.2020
Erstellt von Ralf Hamberger am 27.04.2020

  • Kurt Emil Hamberger
  • 19.07.1936
  • Oedheim am Kocher, Lindenstraße 10
  • 05.04.2020
  • "Mit de Auche un Ohrn derfsch stehle!"
  • Horkheim bei Heilbronn

Die Lebensgeschichte von Kurt Emil Hamberger

 

 

 

Unser herzensguter Papa, Kurt Emil Hamberger, wurde am 19.07.1936 als zweitältester Sohn von Eugen und Elisabeth Hamberger in Oedheim am Kocher geboren. Mit seinem älteren Bruder Eugen und seiner kleineren Schwester Margot wuchs Kurt in den Wirren und mit den Folgen des II. Weltkrieges auf, was sich maßgeblich auf seine Wertevorstellung, Prinzipien & seinen Charakter im weiteren Verlauf seines Lebens auswirken sollte.

 

Durch den frühen Tod seines eigenen Vaters übernahm Kurt bereits als Heranwachsender früh Verantwortung für seine Mutter und deren Familie, indem er die Hälfte seines damaligen Verdienstes als Lehrling des Dreher - Handwerkes bei der damaligen Kolbenschmidt AG in Höhe von 50 Mark zuhause abtrat. An seinen originären Wunsch, zu studieren, war aus pekuniärer Sicht nicht zu denken. Durch seinen ausgeprägten Optimismus und seiner lebensbejahenden wie offenen & zugewandten Denk - & Handlungsweise kompensierte Kurt den Mangel an materiellen Dingen durch seine Leidenschaft zum Fußball und den leichtathletischen Dreikampf. Als flinker Linksaußen (er lief die 100m in 11,5s) ergänzte er mit seinem Bruder und Rechtsaußen Eugen den Oedheimer Sturm. So manches nationale wie internationale Sportfest weckte seinen Ehrgeiz und zog ihn in den Bann, daran teilzunehmen. Seine übrige Freizeit verbrachte Kurt in den Sommermonaten gerne am Kocher, wo er einmal auch eine nahezu Gleichaltrige vor dem Ertrinken bewahrte oder er erkundete mit seiner Lambretta die Region. Irgendwann muss unseren Kurt dann auch unsere Mutter Gertrud um den Finger gewickelt haben und so wundert es nicht, dass genau auf den heutigen Tag vor 62 Jahren am 23.05.1958 die Hochzeitsglocken läuteten. Kaum kam  mein Bruder Jürgen als erster Sohn zur Welt, dauerte es nicht lange und unser Kurt widmete sich seinem nächsten Projekt, dem Hausbau im Breitenweg 4. Seine bedachte & großzügige Art war es, dass alle Nichten & Neffen anlässlich der Weihnachtsfeiertage eine Kleinigkeit bekamen, obwohl Kurt & Gertrud beim Einzug in ihr Eigenheim gerade mal noch über 64 Mark verfügten. Darüber hinaus war es unseren Eltern Kurt & Gertrud ein Gebot der Selbstverständlichkeit, sich insbesondere um ihre Neffen Armin & Gerd zu kümmern, die anfänglich zusammen mit ihren Eltern den ersten Stock unseres Elternhauses mit bewohnten.

 

Sieben Jahre später nach Jürgen folgte ich als zweiter Sohn. Beruflich avancierte Kurt derweil zum leidenschaftlichen Arbeitnehmervertreter und Gewerkschaftsmitglied der IG Metall. Als freigestellter Betriebsrat der damaligen Kolbenschmidt AG setzte er sich stark für die Rechte der Frauen, Kollegen mit Migrationshintergrund und Optimierungen im Zusammenhang mit der Arbeitssicherheit ein. Seine aus Überzeugung kämpferische Haltung gepaart mit Geradlinigkeit, Fairness, Augenmaß und Weitsicht machte ihn auch bei der Geschäftsleitung zu einem geschätzten, berechenbaren & zuverlässigen Verhandlungspartner wenn es um die Bewältigung von Krisensituationen oder Vorruhestandsregelungen ging. Seine Unvoreingenommenheit & objektive wie rationale Herangehensweise half ihm auch in der Ausübung des ehrenamtlichen Richters beim Arbeitsgericht Heilbronn. Das Ehrenamt begleitete Kurt auch in seiner Freizeit, sei es bei der Mitgestaltung des Außengeländes des Don Bosco Kindergartens, den 14tägigen Fußballausfahrten zu den Auswärtsspielen von Jürgen und mir oder dem Neubau des Sportheims.

 

Uns Söhnen war Kurt ein strenger & gerechter Vater. Geprägt durch die eigene Kindheit war es ihm ein Bedürfnis, dass wir es einmal besser haben sollten. So besonnen Kurt im Arbeitsleben agierte, so temperamentvoll & legendär konnten zuhause auch seine Ungeduldsbekundungen sein, wenn nach einem anstrengenden & herausfordernden Arbeitstag zuhause nicht alle gleich in seinem Sinne funktionierten oder an einem Strang zogen. Doch kaum hatte sich das Gewitter entladen, zeigte sich Kurt in der Folge äußerst versöhnlich und lösungsorientiert. Auch mangelte es Kurt nicht an selbstreflektorischen Fähigkeiten. So rief er ein ums andere Mal nach Feierabend beim Öffnen unserer Haustüre ins Innere : „Bin I heit em richtiche odder verkehrte Haus?“ und kam dann Gertrud´s Echo : Kum rei, odder bisch vorbasledo hoamkumme? oder steich mer doch in´d Dasche“ – war die Welt in Ordnung und er konnte sich mit „Jo no ess I´s halt“ dem abendlichen Ritual des Vespers als auch der Gartenarbeit widmen.

 

Kurt verreiste gerne – vorzugsweise in die Alpenregion. Für seinen Jahrgang oder KS – Kollegen organisierte er nebenbei kleinere Ausflüge oder drei bis viertägige Reisen mit diversen Zielen innerhalb Europas.

 

Nach fast 50 Jahren Treue zur Kolbenschmidt AG trat Kurt seinen wohlverdienten „Unruhestand“ an. Mit „koa Zeit“ auf den Lippen, widmete sich Kurt als stolzer Opa nun anderen, schöneren Aufgaben. Dem zunehmend verschlechternden Gesundheitszustand unserer Mutter Gertrud stemmte er sich aufopfernd dagegen. Die schwerste Phase seines Lebens musste unser Papa wahrscheinlich seit dem Tod unserer Mutter erleben. Unglaublich tapfer ertrug er das allabendliche Alleinsein. Seine Kraft schöpfte er in den Stunden, die er nahezu täglich an ihrem Grab verbrachte.

 

Seinen Frohsinn hat Kurt Gott sei Dank behalten, was sich in „i hab mein Vertrag verlängert un will hundert werre!“ äußerte. Dabei konnte sich Kurt auch selbst auf den Arm nehmen, wenn er als Angehöriger der sogenannten „weißen Jahrgänge“ mit „des isch Wasser von Rußland“ auf seinen Bauchumfang anspielte oder sichtbar gezeichnet von seinen Stürzen die erlittenen Blessuren entweder schlagfertig mit den Bemerkungen abtat, dass er jetzt den Segelfliegern beigetreten wäre oder mit „sotsch amol de Onder säh“ im Boxring gestanden habe. Weiterhin blieb unser Papa - zieht man ein wenig Alterssturheit ab - ein vielseitig orientierter und belesener Mensch, der durch seine erworbene Lebenserfahrung ruhig und souverän immer beratend zur Seite stand. „Mit de Auche un Ohrn derfsch stehle“ oder „fingerlang ghandelt isch besser wie armlang gschafft“ sind genauso unvergesslich wie sein berühmtes Ohrenwackeln , sein „Lach miet donn se mer schneller fertich“, seine aufblitzende Verschmitztheit beim gemeinsamen Anstimmen der „Schleifer von Paris“ zusammen mit unserem Onkel Artur, oder „wenn die Alt Pfannekuche backt un mim … d´Nüss uffknackt“ oder„kocht die Alt Sauerkraut – isch die gonz Woch versaut…“

 

Gemäß seinem immerwährenden Wunsch ist unser Papa Kurt zuhause am Morgen des 05.04.2020 sanft und mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck in seinem eigenen Bett für immer eingeschlafen. Mit ihm ging ein guter Mensch und ich vermisse den täglichen Austausch, seine Gesellschaft während langer Autofahrten nach / von Potsdam und die Tatsache, dass er mir fast jedes mal die Seitenscheibe einschlug, wenn er mich unterwegs mit seinem Zeigefinger auf etwas aufmerksam machten wollte! Doch selbst wenn Du Dich plötzlich verabschiedet hast, entfernt hast Du Dich damit nicht – und vergessen ist nur, an wen man sich nicht mehr erinnert.

 

Danke Papa, dass Du es immer gut mit uns gemeint hast & was Du uns ermöglicht hast!

 

Kurt Hamberger Erinnerung  
Kerzen

Von Ina

Für Kurt Emil Hamberger

Am 27.05.2020

Rest in peace!

Kerzen

Von Ina

Für Kurt Emil Hamberger

Am 27.05.2020

Rest in peace!

Ich möchte an den Geburts- und Todestag von Kurt Emil Hamberger erinnert werden.