Geboren am 02.03.1954
Gestorben am 15.08.2025
Erstellt von Heidi Bucka am 21.08.2025
Osterzell, 21.August 2025
Wir nehmen Abschied von Klaus-Peter, einem »Homo Vagabundus«, einem unkonventionellen Wanderer zwischen den Welten, einem echten »Rumtreiber«. Am vergangenen Freitag hat er eigenmächtig seine allerletzte Reise angetreten – von Vancouver Island nach Walhall.
Veränderung war seine Konstante. Immer war er auf der Suche nach dem Neuen, dem Außergewöhnlichen, dem Unkonventionellen. Mit dem Mainstream konnte er so gar nichts anfangen - schwamm lieber gegen den Strom - schon aus Prinzip. Dass er damit gelegentlich aneckte und sich nicht selten unverstanden fühlte, verwundert kaum. Deutschland war ihm zu eng – die Welt dagegen groß genug für seine Sehnsucht nach Freiheit.
Reisen waren sein Lebenselixier. Auch wenn ihm die wichtigsten Zutaten eigentlich fehlten: auf andere Menschen zuzugehen nämlich fiel ihm schwer und mit fremden Sprachen hatte er auch seine Schwierigkeiten. Aber er brauchte die Veränderung, die Herausforderung, die neuen Eindrücke, um nicht einzurosten. »Stehendes Wasser fault!« sagen die Beduinen.
Kein Wunder, dass die Wüsten der Erde sein zweites – ja, sein wahres Zuhause waren. Dort gab es den Freiraum, den er in Europa so schmerzlich vermisste. Denn Freiraum - in jeder Hinsicht - brauchte er wie der Fisch das Wasser. Wenig verwunderlich also, dass es mit der Liebe und dem anderen Geschlecht bei ihm nicht klappte: zu unkonventionell, zu fantastisch waren seine Ideen. Was ihm unterm Strich jedoch ganz gut zu pass kam – er war ein unsteter, ein rastloser Mensch, ein »Einspänner«, wie Albert Einstein das ausdrückte.
Also zog er auf seinen Reisen stets alleine los – seine Schneckenhäuser, in die er sich gerne zurückzog, hatte er ja stets dabei: zwei wohnliche Unimogs, später einen umgebauten MAN Laster. Mit denen machte er die Welt unsicher: zweimal auf dem Landweg von München nach Afrika und Australien, später die Amerikas von oben bis unten. Dafür kündigte er sogar seine gutbezahlten Jobs - eine Horrorvorstellung für jeden Familienvater. Doch Klaus-Peter hatte - auch in dieser Hinsicht - seine Prioritäten früh gesetzt: keine Kinder, kein Haus, keine Schulden! Freiheit in Vollendung!
Gleichwohl war er so etwas wie ein Workaholic. Aber nur, wenn es um seine eigenen Projekte ging. Sein größter Feind war die Routine: "Packst du ein neues Ding an, herrscht Faszination, beim zweiten Mal Routine, beim dritten Mal nur noch Langeweile!", haben wir ihn oft sagen hören. Zum Glück hatte er den passenden Beruf gewählt: als Ingenieur der Energietechnik stand ihm ein weites Spektrum offen: erst die Kraftwerke in Arabien und im Fernen Osten, in den 1990-ern die ersten Gehversuche mit grünem Wasserstoff, wie das heute heißt, und ab den 2000-ern dann ausschließlich regenerative Energien. Besonders im Job spürte er, dass er seiner Zeit 20, 30 Jahre voraus war - ein verkappter Visionär!
Natur und Umwelt lagen Klaus-Peter schon seit jungen Jahren am Herzen – spätestens seit seiner ersten Langzeitreise - 1986 war das. Unterwegs hatte er so viel zerstörte Natur gesehen, aber auch so viele Menschen getroffen, die mit weit weniger auskommen als wir im Westen und gleichwohl glücklicher sind. Das prägte ihn nachhaltig – wie überhaupt diese erste Reise dem wahren Klaus-Peter ans Licht verhalf. War die Zeit zuvor von überkommenen Regeln bestimmt gewesen: Schule – Studium – Familie - Haus – Rente – Sarg, so hatte er nun sein eigenes Lebensmodell gefunden: Freiheit, Arbeiten für eine gute Sache, und ganz viele fantastische Ideen!
Und diesem Modell ist er treu geblieben – bis zum Ende!
Aber da gab es noch einen anderen Klaus-Peter: sein Alter-Ego. Sein »Besseres Ich«, wie er oftmals behauptete. Denn Claudia war viel empathischer und extrovertierter als der misanthrope Kerl in ihm. Meist aber durfte sie nur im Verborgenen agieren und ihre bisweilen bizarren Fantasien ausleben. Daher wollen wir besser den Mantel des Schweigens über vieles breiten, was sie ausheckte. Doch die beiden passten prima zusammen, ergänzten sich in perfekter Symbiose! Wie Okzident und Orient, wie Himmel und Hölle, wie Yin und Yan.
Wir werden euch vermissen, euch beide, eure verrückten Ideen genauso wie die spannenden Reiseberichte! Möge es dort, wo ihr jetzt seid, immer schön warm sein.
Rest in Peace!
Die Freunde von Klaus-Peter
Ich möchte an den Geburts- und Todestag von Klaus-Peter Wilke erinnert werden.